Dante Gabriel Rossetti (1828-1882)


Beata Beatrix, um 1864-1870

Beata Beatrix ist ein 'Denkmal' für Rossettis Frau Lizzie Siddall, die am 11. Februar 1862 Selbstmord begangen hatte. Im Bild verschmelzen Lizzie und Beatrice Portinari, die - von Dante als Idealbild weiblicher Vollkommenheit verehrt - ebenfalls jung starb. Dantes Hommage an die geliebte Beatrice, die Vita Nuova, hatte Rossetti 1845 ins Englische übersetzt und 1864 in seinem Sammelband The Early Italian Poets veröffentlicht.

Beatrice erscheint ekstatisch entrückt. Die Taube, Attribut des heiligen Geistes und zugleich Hinweis auf Lizzies Kosenamen, trägt eine Mohnblüte im Schnabel. Diese symbolisiert traditionell Schlaf, Traum und Tod, deutet hier aber auch auf Lizzies Freitod durch eine Überdosis Laudanum hin. Eine mit dem Florentiner Ponte Vecchio abschließende Straßenflucht trennt zwei Gestalten: links die Personifikation der Liebe mit einem brennenden Herzen in der Hand, rechts Dante. Vor ihm liegt eine Sonnenuhr, deren Schatten auf die Neun zeigt. Diese magische Zahl der Perfektion hatte Dante eng mit Beatrice verbunden. Wichtig für den Bildgehalt ist auch die Farbsymbolik: Rot (Engel und Taube) bezeichnet die Liebe, Grün und Grau (Beatrice, Dante) weisen nach Rossettis Freund Stepherson auf Hoffnung und Leid.

(Begleitheft zur Ausstellung "Der Symbolismus in England 1860-1910")

Beata Beatrix 32kB

Dante Gabriel Rossetti
Beata Beatrix, um 1864-1870
Öl auf Leinwand
86,4 x 66 cm
Tate Gallery, London

Eng verbunden mit Dante Alighieris (1265-1321) Liebe zur Poesie ist seine idealistische Liebe zu Beatrice, der Tochter eines angesehenen Bürgers, Folco de Portinari, die er 1274, kaum neun Jahre alt (sie selbst zählte acht), bei einem Maifest zu Florenz gesehen hatte, worüber D. selbst in seinem Erstlingswerk: 'La vita nuova', berichtet. Von dieser ersten Jugendliebe blieb ihm der tiefste Eindruck für das ganze Leben und steigerte sich in ihm zu jener Verklärung und Bedeutung Beatrices, wie er sie in seinem großen Gedicht verewigt hat. Daher setzt es unseren Begriffen gemäß allerdings in Erstaunen, zu erfahren, daß D. ein oder zwei Jahre (1291) nach Beatrices frühem Tod sich mit Donna Gemma aus dem vornehmen Geschlecht der Donati verheiratet habe, und manche sind geneigt, die ganze Mitteilung Dantes über jenen Gegenstand in symbolischem Sinn aufzufassen. Richtiger dürfte es sein, die Sache mit dem damals aus der Provence her noch fortwirkenden ritterlichen Frauen- dienst in Verbindung zu bringen, nach welchem Ehe und Minne nebeneiander bestehen konnten, ohne sich gegenseitig zu beirren.

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