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Bocca Baciata, 1859
Der Titel des Bildes ist einem Sonett des italienischen
Dichters Giovanni Boccaccio (1313-1375) entlehnt:
"Der Mund, der geküsst wurde, verliert nichts von
seiner Frische; er erneuert sich selbst noch immer, so
wie es der Mond tut."
Modell saß Rossettis Geliebte Fanny Cornforth;
deren Erscheinung wird jedoch durch historisierte
Kleidung und Accesoires venezianischen
Kurtisanenporträts des späten 16. Jahrhunderts
angeglichen. Der Apfel weist Fanny als 'Schwester Evas',
mithin als lockende Versucherin des Mannes aus.
Rossettis lockere malerische Behandlung der
Hautpartien setzt sich von der akribisch geglätteten,
emailhaften Oberfläche präraffaelitischer Gemälde ab.
Bocca Baciata markiert den Übergang zum
Ästetizismus: die Formnatur des schönen wird
verabsolutiert; Erzählung und Aussage treten in den
Hintergrund. Zwar wird die Darstellung mit
Symbolen und Anspielungen angereichert; wesentlich
ist aber das sinnlich Erregende des Kunstwerks.
Die kaum verhohlenen erotischen Aspekte des Bildes
blieben bei den Zeitgenossen nicht unbemerkt.
Swinburne etwa fand das Bild "atemberaubender,
als es auf schickliche Weise ausgedrückt werden kann",
während Hunt es wegen seiner "vulgären Sinnlichkeit"
als "abstoßend" beurteilte.
(Begleitheft zur Ausstellung "Der Symbolismus in England 1860-1910")
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Dante Gabriel Rossetti
Bocca Baciata, 1859
Öl auf Holz
32,2 x 27,1 cm
Museum of FineArts, Boston
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