Dante Gabriel Rossetti (1828-1882)


Helen of Troy, 1863

Die mythische Gestalt der schönen Helena bot Rossetti die perfekte Folie für eines seiner allegorischen Portäts, das einmal mehr die Schwäche der Männer angesichts weiblicher Verführungsmacht und deren katastophale Folgen verbildlicht. Homers Ilias zufolge führte die ehebrecherische Entführung Helenas durch Paris zur Belagerung und Zerstörung Trojas.
Auf der Rückseite des Bildes brachte Rossetti ein Zitat aus Aischylos' Agamemnon an:
"Helena ... Zerstörerin von Schiffen, Zerstörerin von Männern, Zerstörerin von Städten".
Rossettis Modell, Annie Miller, entstammte sehr einfachen Verhältnissen. Rossettis Künstlerkollege Holman Hunt nahm sie auf und versuchte sie - gleich Shaws Pygmalion - im Hinblick auf eine mögliche Heirat zur Lady zu erziehen. Als Hunt 1854-56 in den Vorderen Orient reiste, begann Rossetti eine Affäre mit Annie, für die er sogar seine langjährige Gefährtin Elizabeth Siddall zeitweise verließ. Zwar endete die Liaison mit Hunts Rückkehr; dieser verzieh Rossetti den Betrug jedoch nie. Das Ende ihrer Freundschaft und die Auswirkungen des Vertrauensbruchs auf die Beziehung mit Lizzie Siddall bewogen Rossetti offenbar, die erloschene Leidenschaft für Annie rückblickend mit dem Desaster des Trojanischen Krieges zu vergleichen.

(Begleitheft zur Ausstellung "Der Symbolismus in England 1860-1910")

Helen of Troy 34kB

Dante Gabriel Rossetti
Helen of Troy, 1863
Öl auf Holz
32,8 x 27,7 cm
Hamburger Kunsthalle

Helena:

Helena, Tochter des Zeus und der Leda, der Gemahlin des Tyndareos von Sparta, Schwester der Dioskuren, Gemahlin des Menelaos, das schönste Weib ihrer Zeit und unfreiwillige Anstifterin des Trojanischen Kriegs. Als zehnjähriges Mädchen ward sie von Theseus entführt und nach Äphidnä ge- bracht, aber von ihren Brüdern, den Dioskuren, befreit. Die berühmtesten griechischen Fürstensöhne bewarben sich nun in Sparta um ihre Gunst; sie gab dem Menelaos den Vorzug und brachte ihm das Königreich Sparta als Brautschatz zu. Sie gebar ihrem Gatten die Hermione, ließ sich dann aber während dessen Abwesenheit von dem trojanischen Prinzen Paris betören und samt einem großen Teil der Schätze des Menelaos nach Troja entführen. Hier erregte ihre Ankunft allgemeine Mißbilligung, gleichwohl konnten die griechischen Gesandten ihre Auslieferung nicht erwirken. Es ward dies die Veranlassung des Trojanischen Krieges. Während desselben weilte sie in Troja als Gemahlin des Paris und vom König Priamos und den Troern trotz des schweren Leides, das sie über die Stadt gebracht hatte, wegen ihrer Schönheit bewundert und geliebt; sie selbst aber bereute ihren Leichtsinn und sehnte sich nach ihrer Heimat und dem früheren Gemahl. Nach Paris' Tod erhielt dessen Bruder Deiphobos ihre Hand. Bei der Einnahme der Stadt war sie den Griechen behilflich und lieferte den Deiphobos in die Hände des Menelaos.

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