George Frederic Watts (1817-1904)


Hope, um 1885/86

Hope markiert in Watts Kunst eine Wende hin zu größerer Einfachheit und Direktheit. Es existieren zwei Fassungen des Bildes; ausgestellt ist die Version der Tate Gallerie, die zu einem der populärsten Bilder des 19. Jahrhunderts wurde. Wie so oft bei Watts, wird der optimistische Anspruch des Titels in der Darstellung gebrochen:
In einem melancholisch-blaugetönten Bildraum lauscht die Personifikation versunken dem Laut ihrer beschädigten Lyra - nur eine Saite ist intakt. Zwar leuchtet am Himmel ein einsamer Stern; Aber die Augenbinde macht den Blick dorthin unmöglich. Isoliert auf einer winzigen, kugeligen Insel, die doch zugleich den Globus meint, bleibt der mädchenhaft zarten Gestalt nur die Musik.

Im Kanon der christlichen Tugenden und Laster gilt als Gegenpol der Hoffnung die (selbstmörderische) Verzweiflung. Watts Allegorie vereint die scheinbaren Gegesätze: Hoffnung in der Verzweiflung, verzweifelte Hoffnung. Das festhalten am Wenigen die (von Zerstörung bedrohte) Kunst als Stütze, das sanfte 'Trotzdem' ohne tätige Auflehnung - Watts Sicht erscheint modern, fatalistisch und areligiös.

(Begleitheft zur Ausstellung "Der Symbolismus in England 1860-1910")

Hope 20kB

George Frederic Watts
Hope, um 1885/86
Öl auf Leinwand
150 x 109 cm
Privatsammlung
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