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Hope, um 1885/86
Hope markiert in Watts Kunst eine Wende hin
zu größerer Einfachheit und Direktheit. Es existieren
zwei Fassungen des Bildes; ausgestellt ist die
Version der Tate Gallerie, die zu einem der
populärsten Bilder des 19. Jahrhunderts wurde.
Wie so oft bei Watts, wird der optimistische Anspruch
des Titels in der Darstellung gebrochen:
In einem melancholisch-blaugetönten Bildraum
lauscht die Personifikation versunken dem Laut
ihrer beschädigten Lyra - nur eine Saite ist intakt.
Zwar leuchtet am Himmel ein einsamer Stern;
Aber die Augenbinde macht den Blick dorthin
unmöglich. Isoliert auf einer winzigen, kugeligen
Insel, die doch zugleich den Globus meint, bleibt
der mädchenhaft zarten Gestalt nur die Musik.
Im Kanon der christlichen Tugenden und Laster gilt
als Gegenpol der Hoffnung die (selbstmörderische)
Verzweiflung. Watts Allegorie vereint die scheinbaren
Gegesätze: Hoffnung in der Verzweiflung,
verzweifelte Hoffnung. Das festhalten am Wenigen
die (von Zerstörung bedrohte) Kunst als Stütze,
das sanfte 'Trotzdem' ohne tätige Auflehnung -
Watts Sicht erscheint modern, fatalistisch und
areligiös.
(Begleitheft zur Ausstellung "Der Symbolismus in England 1860-1910")
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George Frederic Watts
Hope, um 1885/86
Öl auf Leinwand
150 x 109 cm
Privatsammlung
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