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Proserpina, 1877 Rossetti malte insgesamt acht Versionen des Proserpina-Themas. Sein Modell war Jane Morris, der sich Rossetti in fast obsessiver Liebe verbunden fühlte. Als verheiratete Frau war sie indes - gleich Proserpina - unerreichbar und schicksalhaft gefangen. In einem Brief an W.A. Turner, dem Erstbesitzer der hier gezeigten Fassung, beschreibt Rossetti den mythologischen Bildgehalt wir folgt: "Proserpina wird in einem der düsteren Korridore ihres Palastes gezeigt, mit der unheilvollen Frucht in ihrer Hand. Hinter ihr, die tief in Gedanken versunken ist, streift ein heller Schimmer die Wand, der von einer plötzlich geöffneten Luke herrührt und eine Augenblick lang Licht aus der Oberwelt hereinläßt; verstohlen blickt sie zu ihm hin. In einer Schale neben ihr brennt Weihrauch, als Zeichen ihrer Gottheit. Die Efeuranke im Hintergrund (als Dekor der Schrifttafel mit dem Sonett beigefügt) kann als Symbol für die sie bedrängenden Erinnerungen gesehen werden."
Die Übersetzung des Sonetts in der rechten oberen Bildecke lautet:
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Dante Gabriel Rossetti Proserpine, 1877 Öl auf Leinwand 119,5 x 57,8 cm Privatsammlung, London |
Peserphone (Persephassa, bei den Römern Proserpina), in der griech.
Mythologie Tochter des Zeus und der Demeter, ward, als sie einst auf der
nysischen Flur (nach späterer Sage bei Enna in Sizilien) Blumen sammelnd
von ihren Gespielinnen sich entfernt hatte, von Pluton, der plötzlich aus
der Erde auftauchte, geraubt und so zur Beherrscherin der Unterwelt
erhoben. Demeter suchte die Tochter mit der an den Flammen des Ätna
angezündeten Fackel auf der ganzen Erde, bis ihr die Nymphe Arethusa
oder Helios das Schicksal derselben enthüllte. Zeus versprach ihr darauf,
ihr die Tochter zurückzugeben, wenn dieselbe im Reich der Schatten noch
nichts genossen hätte, und gewährte ihr, da P. mit Pluton bereits einen
Granatapfel geteilt hatte, daß sie wenigstens zwei Drittel des Jahres auf
der Oberwelt zubringen durfte.
Der Sinn des Mythos ist unschwer zu erraten: es ist eine allegorische
Darstellung des alljährlich vor unseren Augen sich erneuernden Schauspiels
der absterbenden und wieder auflebenden Pflanzenwelt.
In den Eleusinischen Mysterien wurde der Mythos als das Bild einer höheren
Idee, nämlich der Unsterblichkeit der Seele aufgefasst. Hier tritt P. als
Kora (Tochter) in Verbindung mit ihrer Mutter Demeter und deren Sohn
Jakchos auf, heißt aber auch, gleich jener, Despoina (Herrin).
Außer in Eleusis ward P. auch in Böotien, im Peleponnes und auf Sizilien
verehrt, meist gemeinschaftlich mit ihrer Mutter.
Bei den Orphikern der späteren Zeit ist P. eine allwaltende Naturgottheit
und wird vielfach mit anderen mystischen Gottheiten, Hekate, Gäa, Rhea,
Isis, vermengt. Der römische Name Proserpina scheint nur eine
Latinisierung von P. zu sein.
Dargestellt ward P. als liebliche Tochter der Demeter oder als strenge
Gemahlin des Hades, mit königlichen Insignien und der Fackel, dem Symbol
der eleusischen Weihen. Einzelbilder sind schwer zu bestimmen, da ihr
Ideal mit dem ihrer mehr oder weniger zusammenfließt; nur wird sie stets
jugendlicher aufgefaßt sein. In einer Gruppe bildete sie Praziteles,
in einem Relief (zusammen mit Pluton, Dionysos und zwei Nymphen)
Kolotes. Öfters kommt sie in großen Darstellungen vor, besonders in
Schilderungen der Aussendung des Triptolemos ihrer Entführung durch Hades
und ihrer Rückkehr auf die Erde. Diesen Gegenstand behandeln mit Vorliebe
die römischen Sarkophagreliefs, doch war der Raub der Kora auch Inhalt
eines Gemäldes des Nikomachos und einer Gruppe des Paraziteles. Die
Auffahrt der P. aus der Unterwelt ist sehr schön auf einem Vasenbild
(Fragment des Marchese del Vasto) dargestellt. In der römischen Zeit ist
ihre Vereinigung mit Dionysos (als Liber und Libera), der Brautzug beider
unter Begleitung bacchantisch rasender Satyrn und Mänaden sehr häufig auf
Sarkophagen behandelt.
Eine dichterische Bearbeitung der Persephonesage enthält Goethes kleines,
dem "Triumph der Empfindsamkeit" eingeschaltetes Monodrama "Proserpin".