|
The Golden Stairs, 1872-80
Burne-Jones' Interesse an dekorativen,
nicht-erzählerischen Bildern, in denen die schöne,
harmonische Form absolut gesetzt wird, kulminiert
in The Golden Stairs.
Die Komposition verbindet bruchlos Statik und
Dynamik; Die Figuren scheinen einem musikalischen
Rytmus unterworfen. Das in sich immer leicht
variirte Kontinuum der Schreitenden besitzt eine
bezwingende, fast hypnothische Wirkung. Die
Gestalten bilden gleichsam ein in Bewegung
geratenes Muster; kleine Brüche innerhalb des
formalen Systems fesseln die Aufmerksamkeit des
Betrachters. Seine Liebe zur Linie sah Burne-Jones
als Protest gegen den vom Kontinent herüber-
schwappenden 'undisziplinierten' Impressionismus.
Obwohl als Festhalten an der malerischen Tradition
gedacht, nahmen seine im dekorativen Liniengeflecht
gegen unendlich tendierenden, 'gegenstandslosen'
Variationen die Bestrebungen der jungen, am Beginn
der malerischen Moderne stehenden Künstler-
generation voraus. Gauguin und Picasso bewunderten
seine Bilder; und Duchamps kubistisches Schlüssel-
werk Ein Akt, die Treppe herabschreitend (1912)
wurde von Burne-Jones' Mädchenreigen beeinflußt.
(Begleitheft zur Ausstellung "Der Symbolismus in England 1860-1910")
|
Edward Burne-Jones
The Golden Stairs, 1872-80
Öl auf Leinwand
269,2 x 116,8 cm
Tate Gallery, London
|